von Gudrun Bratu
Gastfreundschaft, Rhythmus und gemeinsames Wachsen
Wer bereits in Mexiko-Stadt an einem Tendoryu-Lehrgang teilgenommen oder im Dojo von Lorena und Juan Carlos trainiert hat, kennt die außergewöhnliche Herzlichkeit, mit der Gäste dort empfangen werden. Genau diese offene Atmosphäre prägte auch das jüngste Dan-Training in Großhadern mit Lorena und Gudrun sowie den Lehrgang vom 24. bis 26. April 2026 in Schopfheim, der von Lorena geleitet wurde.
Eine Reise mit Hindernissen – und vielen Eindrücken
Die Anreise der mexikanischen Gäste begann spannend: Ein Streik beim Lufthansa-Personal ließ lange offen, ob der Flug wie geplant stattfinden würde. Am Ende verlief jedoch alles reibungslos. In den ersten Tagen genossen Lorena, Juan Carlos und Liz bei Christiane und Reinhard ein vielseitiges Kulturprogramm – vom Besuch des Münchner Frühlingsfests bis hin zu einem Beethoven-Konzert in der Philharmonie.
Lorena beim Dan-Training beim TSV München-Großhadern. Foto: Walter Chimpoca
Rhythmus, Takt und Zanshin
Beim Dan-Training am Sonntag schlug Lorena, selbst Musikerin, eine inspirierende Brücke zwischen dem Konzertabend und dem Tendoryu-Aikido. In beiden Disziplinen, so betonte sie, seien Rhythmus und Takt entscheidend für ein stimmiges Ganzes. Die Teilnehmenden nahmen diesen Impuls auf und setzten ihn in fließende, aufmerksame Bewegungen um. Dabei wurde auch das Prinzip des Zanshin erfahrbar – eine wache Präsenz, die nach außen und nach innen zugleich gerichtet ist.
Gemeinsame Wege und neue Begegnungen
Im Anschluss führte Gudrun die Gäste in den Pfaffenwinkel, dessen Landschaften und historischen Orte nachhaltigen Eindruck hinterließen. Ein weiterer Höhepunkt war das Training bei der neu gegründeten Tendoryu-Gruppe in Peiting, das für die dortigen Aikidoka ein besonderes Erlebnis darstellte.
Dem Sturm entgegen
Die Reise setzte sich über Basel nach Schopfheim fort. Dort griff Lorena im Rahmen eines dreitägigen Seminars ein Bild aus einem mexikanischen Sprichwort auf: den „dummen Büffel“, der sich bei näherem Hinsehen als klug erweist. Anders als andere Tiere flieht er nicht vor dem Sturm, sondern läuft ihm entgegen. Übertragen auf das Aikido bedeutet dies, sich der Energie des Angriffs bewusst zu stellen – nicht zu fliehen und nicht überrollt zu werden. Diese Haltung wurde im Training durch entschlossenes Irimi und den gezielten Abschluss mit Atemiwaza praktisch erfahrbar.
Vereinte Frauen-Power mit Juan Carlos beim Lehrgang in Schopfheim. Foto: fkn / Tendoryu
Miteinander wachsen
Das Seminar war getragen von einem stark verbindenden Tendoryu-Geist. Deutlich wurde: Entwicklung im Aikido gelingt nur im Miteinander – durch die Vielfalt der Trainingspartnerinnen und -partner. Den Abschluss bildete ein gemeinsames Zusammensitzen, inspiriert von der mexikanischen Tradition des Temazcal, einem rituellen Dampfbad. In dieser Runde wurden erfahrene Aikidoka gebeten, ihre Einsichten zu teilen. Besonders haften blieb eine Frage: „Wie isst man einen Elefanten?“ Die Antwort: „Biss für Biss.“ Eine Erkenntnis, die sich unmittelbar auf das Aikido übertragen lässt: Entwicklung braucht Geduld, Kontinuität – und Zeit.
Wer mit Aikido beginnen möchte, ist beim TSV München-Großhadern jederzeit herzlich willkommen.
Ein Probetraining lässt sich unkompliziert vereinbaren unter: aikido@tsv-grosshadern.de