von Bodo-Klaus Eidmann

Jubiläumslehrgang mit Wakasensei Kenta Shimizu - 50 Jahre Tendoryu Aikido in Deggendorf

Ein halbes Jahrhundert Tendoryu Aikido beim TSV v. 1861 Deggendorf e.V. - dieses besondere Jubiläum war Anlass für einen hochkarätigen Lehrgang, der Aikidoka aus Bayern und weit darüber hinaus zusammenführte.

Allein 21 Aikidoka vom TSV München-Großhadern von 1926 machten sich für bis zu drei Tage auf den Weg nach Niederbayern. Insgesamt nahmen bis zu 80 Übende am Lehrgang teil - ein eindrucksvolles Zeichen für die Lebendigkeit und Ausstrahlung des Tendoryu Aikido. Geleitet wurde der Lehrgang von Kenta Shimizu, Wakasensei des Tendoryu Aikido, der ein ebenso forderndes wie inspirierendes Training gestaltete.

Rei – Haltung vor Handlung

(礼 - rei / Etikette)

Der Lehrgang begann dort, wo Budo seinen Ursprung hat: bei der Haltung. Rei - die Etikette - ist nicht Beiwerk, sondern Fundament. Wakasensei erläuterte präzise, wie die Verbeugung im Stand ausgeführt wird, wie sie im Seiza erfolgt und welche innere Einstellung damit verbunden ist.

Rei wa kokoro no araware desu.
Etikette ist der sichtbare Ausdruck des inneren Zustands.

Diese Haltung prägte sämtliche Trainingseinheiten - ruhig, konzentriert und getragen von gegenseitigem Respekt.

Techniken als Mittel, nicht als Zweck

Technisch spannte sich der Bogen von klassischen Formen wie Ikkyo, Nikkyo und Sankyo über Kote-gaeshi und Shiho-nage bis hin zu Anwendungen gegen Angriffe wie Ai-hanmi katate-dori, Gyaku-hanmi katate-dori und Ryōte-dori. Schnell wurde jedoch deutlich: Es ging nicht um Vielfalt um ihrer selbst willen. In eindringlichen Worten verglich Wakasensei die Herangehensweise vieler europäischer Dan-Träger mit jener in Japan. Während hierzulande häufig die Anzahl der beherrschten Techniken im Vordergrund stehe, gehe es in Japan stärker darum, eine Technik in ihrer Tiefe zu erforschen und wirklich zu durchdringen.

Offen bleiben – eine persönliche Lehre

Besonders nachhaltig wirkte eine persönliche Geschichte aus dem Leben von Wakasensei Kenta Shimizu. Er schilderte eine Kritik seines Vaters, Shimizu Sensei, nachdem er selbst einmal erläutert hatte, welche Punkte bei einer Technik die „wichtigsten“ seien. Die Antwort des Vaters war klar und prägend: Wer so denke, schränke sich selbst ein. Man könne nie mit Sicherheit wissen, was tatsächlich wesentlich sei. Eine Technik zu durchdringen bedeute, offen zu bleiben, weiter zu forschen - mit dem Körper, dem Geist und dem Gefühl.

„Das kann man nur sehr schwer in Worte fassen.“
(言葉で説明するのはとても難しいのです。)

Gastfreundschaft, die verbindet

Abgerundet wurde das Jubiläumswochenende durch die außergewöhnliche Gastfreundschaft der Deggendorfer Aikidoka um Robert Hundshammer. Die herzliche Aufnahme, die hervorragende Organisation und der spürbare gegenseitige Respekt schufen eine Atmosphäre, die weit über das Training hinauswirkte.

Dank und Ausblick

Dieser Lehrgang hinterließ mehr als neue technische Impulse. Er vermittelte eine Haltung: weniger sammeln, mehr verstehen; weniger erklären, mehr fühlen.

ありがとうございました。
Arigatō gozaimashita.

Ein aufrichtiger Dank an alle Beteiligten - für ein Jubiläum, das dem Geist des Aikido in besonderer Weise gerecht wurde.

Die Großhaderner Aikidoka zusammen mit Wakasensei Kenta Shimizu - vorne in der Mitte sitzend.

Foto: Luis Brandstätter

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