von Bodo-Klaus Eidmann
Aikido-Lehrgang mit Milan Velickovic in Landshut
Rund 40 Aikidoka aus Süddeutschland erlebten ein intensives Wochenende beim VfL Landshut-Achdorf – geprägt von klaren Prinzipien, präziser Körperarbeit und der Frage: Reagieren wir im Aikido – oder handeln wir? Jürgen Schwarz von der Abteilung Aikido beim VfL Landshut hatte mit seinem Team eingeladen und mit von der Partie waren auch über zehn befreundete Aikidoka vom TSV München-Großhadern von 1926.
Ein Wochenende voller Bewegung und Bewusstheit
In der hellen und großzügigen Halle des VfL Landshut-Achdorf versammelten sich am zweiten Maiwochenende rund 40 Aikidoka aus dem süddeutschen Raum zu einem besonderen Lehrgang. Eingeladen war der serbische Aikido-Lehrer Milan Velickovic, 5. Dan Tendoryu Aikido, der eigens aus Serbien angereist war, um zwei intensive Trainingstage zu gestalten. Von Beginn an prägte eine konzentrierte, zugleich offene Atmosphäre das Geschehen auf der Matte. Velickovic verstand es, technische Präzision mit grundlegenden Fragen des Aikido-Übens zu verbinden.
„Re-agieren wir – oder agieren wir?“
Im Zentrum des Lehrgangs stand eine scheinbar einfache, tatsächlich aber tiefgreifende Frage: „Reagieren wir im Aikido – oder agieren wir?“ Velickovic beantwortete sie nicht theoretisch, sondern über konsequent aufgebaute Bewegungs- und Partnerübungen. Dabei wurde deutlich: Im modernen Verständnis des Aikido verschmelzen Reaktion und Aktion. Der Übende bleibt nicht passiv, sondern übernimmt Verantwortung für die Dynamik der Bewegung. „Der Aikidoka muss auch agieren – also aktiv sein“, so die zentrale Botschaft, die sich durch alle Einheiten zog.
Vom Tenkan zur Ganzkörperbewegung
Ein Schwerpunkt lag auf grundlegenden Bewegungsprinzipien wie dem Tenkan. Dabei wurde die Ausweichbewegung nicht isoliert betrachtet, sondern als ganzheitlicher Prozess vermittelt: Die Hüfte initiiert die Drehung, die Füße folgen unmittelbar in die neue Richtung. Ergänzt wurde diese Basisarbeit durch den konsequenten Einsatz der sogenannten Tegatana – der „Schwertarme“. Immer wieder betonte Velickovic, dass die Arme nicht nur greifen oder halten, sondern „schneiden“ sollen, um Struktur und Balance des Partners zu beeinflussen. Diese Idee durchzog sämtliche Übungen: Bewegung wurde als Einheit von Körperzentrum, Hüfte und Armen verstanden – nie als isolierte Technik.
Von Kokyu-Übungen bis Uchi Kaiten Nage
Aufbauend auf diesen Grundlagen führte der Lehrgang Schritt für Schritt zu konkreten Anwendungen. Nach Tenkan-ho-Ausweichbewegungen wurden Kokyu-Übungen integriert, die das Timing und die Atmung im Kontakt mit dem Partner schärften. Darauf folgten komplexere Situationen wie Verteidigungen gegen Ushiro-ryote-Angriffe sowie Techniken wie Uchi Kaiten Nage. Trotz der steigenden Komplexität blieb das Prinzip stets gleich: klare Körperstruktur, aktive Führung und das bewusste Arbeiten aus dem Zentrum. Bemerkenswert war dabei der didaktische Aufbau des Lehrgangs. Sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene konnten den Übungen folgen und individuell davon profitieren.
Aikido als kontinuierlicher Entwicklungsweg
Neben der Technikarbeit stellte Velickovic auch eine grundlegende Frage in den Raum: „Warum machen wir Aikido?“ Die Antworten aus der Gruppe waren vielfältig – von der Verbesserung des eigenen Kokyu über technische Weiterentwicklung bis hin zur ständigen Überprüfung im Kontakt mit dem Partner. Velickovic selbst betonte, dass genau darin der Kern seiner eigenen Praxis liege: die fortwährende Überprüfung und Weiterentwicklung gemeinsam mit dem Partner. Aikido sei kein abgeschlossener Zustand, sondern ein Prozess des kontinuierlichen Wachstums.
Fazit: Klarheit in Bewegung
Der Lehrgang in Landshut zeigte eindrucksvoll, wie sich technische Präzision und grundlegende Prinzipien des Aikido gegenseitig durchdringen. Milan Velickovic gelang es, komplexe Inhalte klar zu strukturieren und zugleich Raum für individuelle Entwicklung zu lassen. Am Ende blieb das Bild eines Trainingswochenendes, das weniger durch äußere Effekte als durch innere Klarheit geprägt war – und durch die Erkenntnis, dass zwischen Reaktion und Aktion oft nur ein bewusster Schritt liegt.
Freudige Großhaderner Aikidoka mit Lehrgangsleiter Milan Velickovic beim VfL Landshut-Achdorf. Foto: fkn/Tendoryu