von Bodo-Klaus Eidmann

Grundlagen, Struktur und Funktion im Aikido erleben

Von Freitag bis Sonntag (30.01. - 01.02.2026) fand in der Budohalle des TSV München-Großhadern von 1926 ein besonderer Doppel-Lehrgang statt. Mit rund 85 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem gesamten süddeutschen Raum war die Halle an der Heiglhofstraße 25 an allen drei Tagen gut gefüllt. Unter der Leitung von Trainer Erwin van der Beek (5. Dan Tendoryu Aikido, Seishinkan Aikido Den Haag) für Erwachsene und Trainer Vinzent Hubenaar (4. Dan Tendoryu Aikido, Seishinkan Aikido Den Haag) für Kinder wurden Grundlagen, Struktur und funktionelle Prinzipien des Aikido vermittelt.

Erwin van der Beek legte den Schwerpunkt auf das Verständnis des Unterschieds zwischen Kata (形) und Waza (技). Dabei wurde vermittelt, dass Kata als strukturiertes Lehr- und Übertragungssystem dient, während Waza die funktionelle Umsetzung der Technik darstellt. Kata bewahrt die Prinzipien – Waza offenbart deren Anwendung.

Der Unterricht begann mit dem Verständnis von Kamae (構え) – nicht nur als äußere Haltung, sondern als strukturelle und mentale Bereitschaft zum Handeln. Ausgangspunkt war dabei das Arbeiten mit Shisei no Gyō – der Schulung von Körperstruktur – sowie das Verständnis der Seichūsen (正中線) als tragende Körperachse.

Durch verschiedene Übungen wurde die natürliche Körperorganisation geschult. Dabei spielte nicht nur die Stellung der Füße und Beine eine Rolle, sondern insbesondere die strukturelle Ausrichtung des Körpers vom Kopf bis zu den Füßen. Ein Schwerpunkt lag auf der stabilen, aber entspannten Körperhaltung, bei der Wahrnehmung und Übersicht erhalten bleiben. Erwin betonte dabei, nicht einen einzelnen Punkt zu fixieren, sondern eine offene Wahrnehmung zu entwickeln.

Aufbauend auf der korrekten Struktur folgte die Arbeit an Waza (技). Der Fokus lag dabei nicht auf einer Vielzahl von Techniken, sondern auf dem funktionellen Verständnis grundlegender Techniken wie Kotegaeshi, Shiho Nage oder Tenshinage. Ziel war es, diese Techniken nicht als isolierte Formen zu üben, sondern als Ausdruck zugrunde liegender Prinzipien.

Dabei wurden zentrale funktionelle Komponenten von Waza bewusst integriert:

  • Kamae (構え) – strukturelle und mentale Bereitschaft

  • Ma-ai (間合い) – harmonische, natürliche Distanz

  • Sasoi (誘い) – Einladung und Beeinflussung der Entscheidung des Partners

  • Hyōshi (拍子) – Timing und Rhythmus

  • Tai-sabaki (体捌き) – Körperorganisation und Positionswechsel

  • Kuzushi (崩し) – strukturelle und mentale Destabilisierung

  • Kime (決め) – klares Entscheiden und Abschließen einer Technik

  • Zanshin (残心) – fortgesetzte Aufmerksamkeit und Präsenz

Diese Prinzipien wurden durch gezielte Partner- und Strukturübungen erfahrbar gemacht. Ziel war es, Technik nicht als isolierte Bewegung zu verstehen, sondern als Ergebnis korrekter Organisation von Körper, Wahrnehmung und Timing.

Ein besonderes Highlight war das gemeinsame Training von Erwachsenen und Kindern am Samstag. Vertrauensspiele, gemeinsames Üben und spielerisches Erleben förderten gegenseitiges Vertrauen und Verständnis. „Wir können sehr viel von Kindern lernen. Vor allem sollten wir uns Offenheit und Lernbereitschaft bewahren“, so Erwin van der Beek. Diese Begegnungen zeigten eindrücklich, dass Aikido nicht nur Technik, sondern auch gemeinsames Lernen und Entwicklung bedeutet.

Vinzent Hubenaar kümmerte sich mit großer Leidenschaft um die Kinder und Jugendlichen. Mit Geduld, Freude und kreativen Übungen vermittelte er grundlegende Bewegungs- und Wahrnehmungsprinzipien, sodass auch die jungen Teilnehmer ein intensives und bereicherndes Training erleben konnten.

Insgesamt war es ein außergewöhnlicher Doppel-Lehrgang, der nicht nur technische Fähigkeiten vertiefte, sondern auch Verständnis für Struktur, Prinzipien und gemeinsames Lernen vermittelte. Wir freuen uns auf eine Wiederholung.

Wer Interesse hat, Aikido selbst zu erleben, kann sich für ein Probetraining beim TSV München-Großhadern anmelden: aikido@tsv-grosshadern.de

Fotos: Bodo-Klaus Eidmann

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