„Aikido kennt keinen Wettbewerb“

Lehrgänge bilden weiter – auch wenn man manchmal einen weiten Weg in Kauf nehmen muss. Anfang März war Shimizu Sensei (8. Dan Tendoryu Aikido / Tokyo) unter anderem im Norden Deutschlands und in Dänemark unterwegs, so dass sich Großhaderner Aikidoka nach Halev bei Kopenhagen, nach Berlin und zuletzt sogar in den tiefsten Ruhrpott – nach Moers – aufmachten. Auch wenn Shimizu Sensei mittlerweile ein hohes Alter erreicht hat, so ist er auf der Matte so präsent wie eh und je.

„Aikido kennt keinen Wettbewerb“, erinnerte der Großmeister in der großen Dreifachturnhalle des Gesamtschule Moers gleich zu Anfang die 135 Teilnehmer, die aus ganz Europa angereist waren. Darunter fanden sich auch vier Aikidoka aus Großhadern. Shimizu Sensei erwähnte nachdrücklich die Grundlagen des Aikido. Wer Aikido lernen wolle, müsse mit sich selber in Wettbewerb treten und sich selber besiegen können. Nur wer beständig an sich und seinen Techniken feile, werde Verbesserungen erzielen. „Viele der Teilnehmer sind von weither angereist“, erkannte Shimizu Sensei schnell und passt die Techniken an die große Teilnehmerschaft an. Große Kokyu-Techniken bestimmten so den ersten Tag und machten die Aikidoka wach für das, was dann folgen sollte. Große, runde und dynamische Bewegungen – das was ebenTendoyru Aikido ausmacht – folgten. Dabei ließ Shimizu Sensei auch die hohe Vielseitigkeit des Aikido einfließen. Denn schließlich mache es keinen Unterschied, wie ein Angreifer angreife. Mit dem richtigen Abstand (jap. Maai), dem richtigen Timing und ein und derselben Technik lassen sichvielfältige Angriffe aufnehmen und umlenken. Sein Sohn Kenta Shimizu, Dojo-Sho (Vorstehe des Tendokan in Tokyo), ging in seinen Trainingseinheiten auf wesentliche Grundlagen wie das Fallen, die Haltung und zum Beispiel die Hand ein. „Nicht mit der Hand greifen“, ermahnte er die Teilnehmer. Wer die Hand offen halte, halte sich viele Optionen offen. Ganz offensichtlich war das bei „Ikkyo Omote“, bei dem Nage nicht mit der „Tegatana“ (jap. Schwerthand) gegen den angreifenden Arm drückte, sondern diesen vielmehr nach oben wegleitete bzw. schwerte. Doch Worte sind nur Worte – letztlich muss jeder Aikidoka selber seine Erfahrungen machen.

 Die angereisten Aikidoka aus München

Die angereisten Aikidoka aus München

Eine besondere Erfahrung über den Mattenrand hinweg, war die herzliche Aufnahme der Großhaderner Aikidoka. Der hiesige Aikoido-Vorstand Dirk Moulton war gleich zur Stelle und bewährte eine tolle private Überhachtungsmöglichkeit – inklusive Frühstück. Aikido dient auch der Verständigung und dem Frieden – das wurde hier besonders deutlich. Fremde Menschen treffen aufeinander, verstehen und helfen sich. In der freien Zeit galt es den Rand des Ruhrpotts zu entdecken – das schöne ländliche Rheinberg, Xanten mit seinem römischen Ursprung und sogar einem dortigen „Meer“. Feinste Ruhrpott-Küche gab es dann im Geheimtipp „Baerlag“ auf dem Lande und dann noch bei der Aikido-Party in Moers am Abend! Einen ganz herzlichen Dank an die fleißigen Aikidoka im Ruhrpott, die diese Veranstaltung erst möglich gemacht haben. Last but not least galt es 600 Quadratmeter Mattenfläche zu bewegen. Die Münchner hatten nach der letzten Trainingseinheit am Sonntag gute 650 Kilometer nach Haus zu bewältigen und „landeten“ allsamt sicher.

Bodo-Klaus Eidmann

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